Crochunter´s Umweltnews

News & Fakten über unsere Umwelt und unser Klima

Bolivien steht nicht am Pranger, weil es mehr Klimaschutz will. Die Blockierer von mehr Klimaschutz gehören angeprangert

Frankfurt/Cancun: Für Hubert Weiger, den Vorsitzenden des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), steht nach dem Weltklimagipfel von Cancun nicht Bolivien am Pranger, sondern angeprangert gehörten die Blockierer von mehr Klimaschutz. Das Veto Boliviens gegen die schwachen Beschlüsse von Cancun finde die Unterstützung seiner Organisation, sagte Weiger in Frankfurt/Main. Für ihn sei die Stimme Boliviens gegen die Cancun-Vereinbarungen ein deutlicher Hinweis auf die Mängel in der internationalen Klimaschutzpolitik. In Cancun habe außerdem nicht nur die bolivianische Regierungsdelegation gegen die Gipfel-Beschlüsse protestiert. Zehntausende politisch Engagierte, einfache Bauern und Landlose seien parallel zum Klimagipfel für mehr Umwelt- und Klimaschutz und mehr Gerechtigkeit auf die Straße gegangen.

"Der bolivianische Präsident Evo Morales kritisiert die Schwäche der Cancuner Beschlüsse zu Recht. Mit den bisher vereinbarten Minderungszielen für CO2-Emissionen und der Einrichtung fragwürdiger Schlupflöcher wie den CO2-Zertifikatehandel lässt sich der Klimawandel nicht wirksam bekämpfen", sagte Weiger. Die Erwärmung der Erdatmosphäre steuere weiter auf die Fünf-Grad-Marke zu. Daran ändere auch das Mantra der politisch Verantwortlichen aus fast allen Regierungen, sie wollten die Erwärmung auf zwei Grad Celsius begrenzen, nichts.

"Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel oder der USA-Präsident Barack Obama die Ergebnisse von Cancun über den grünen Klee loben, dann stellen sich zwei Fragen. Erstens, reicht der Cancun-Kompromiss? Und zweitens, was haben die beiden eigentlich in der letzten Zeit zum Klimaschutz beigetragen? Da fällt einem nicht viel ein", sagte Weiger.

Es habe wenig Sinn, beim internationalen Klimaschutz weiter auf Blockiererstaaten wie die USA, Japan, Kanada, Australien und China zu warten. Zurückgewiesen werden müssten auch die Versuche von Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zur Aufweichung der Klimaschutzziele und zur Schaffung weiterer Schlupflöcher. Es sei dringend erforderlich, sämtliche Auslandsinvestitionen, die mit den Einnahmen aus dem internationalen CO2-Zertifikatehandel getätigt würden, stärker an Umweltkriterien zu binden. Auf keinen Fall dürften Atom- und Kohlekraftwerke oder der Bau von naturzerstörenden Riesen-Staudämmen mit Geldern aus diesem Handel gefördert werden.

Pressekontakt: BUND-Pressesprecher Rüdiger Rosenthal, Tel. 00 49 / 1 71-8 31110 51; presse@bund.net;

Quelle: BUND.net


Cancun führt zu Kompromissen auf niedrigem Niveau. "Kyoto Zwei" nach Durban vertagt. EU muss beim Klimaschutz stärkere Führungsrolle übernehmen

Cancun/Berlin: Für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ermöglichen die Beschlüsse des Weltklimagipfels von Cancun zwar die Fortsetzung der unter dem Dach der Vereinten Nationen begonnenen Bemühungen zum Klimaschutz. Sie lieferten jedoch noch keinen akzeptablen Beitrag zur Minderung der Treibhausgase. Zum wiederholten Mal hätten die zu einer UN-Klimakonferenz angereisten Staatschefs und Regierungsdelegationen kein ausreichendes Endergebnis zustande gebracht.

Die Tatsache, dass der Kyoto-Prozess nicht beerdigt wurde und die Einrichtung eines globalen Klimaschutzfonds seien zwar kleine Schritte in die richtige Richtung. Die übrigen Vereinbarungen wie beispielsweise jene zu den konkreten CO2-Minderungszielen und deren Verbindlichkeit seien jedoch extrem schwammig formuliert und enthielten zu viele Schlupflöcher. „Das Ergebnis von Cancun hält die Erderwärmung nicht unter zwei Grad. Daran ändern sämtliche Lippenbekenntnisse der Regierungen nichts. Die genaue Ausgestaltung eines Kyoto-Anschluss-Abkommens ist ebenfalls völlig offen. Leider haben Staaten wie die USA, Japan, Kanada, Australien und China weitere Fortschritte blockiert. Wirksamer Klimaschutz wurde erneut vertagt, diesmal ins Jahr 2011 nach Durban in Südafrika. Mit dem Warten auf die Bremser muss endlich Schluss sein“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

Auch die bisherigen freiwilligen Zusagen von Treibhausgas-Minderungen seitens der Industriestaaten seien nach wie vor unzureichend. Diese Staaten hätten noch immer nicht erkannt, dass große wirtschaftliche Chancen im Ausbau der erneuerbaren Energien und der Steigerung der Energieeffizienz liegen würden. Zum wiederholten Mal habe in Cancun das Denken der Öl- und Kohleindustrie die Richtlinien der Politik bestimmt. „Wenn die Lobbyinteressen der alten Industrien das Handeln oder Nichthandeln von Politikern bestimmen, wird die Welt den Klimawandel nicht bekämpfen können. Deutschland und Europa haben beim Ausbau der erneuerbaren Energien und bei der Steigerung der Energieeffizienz durchaus Erfolge vorzuweisen.

Es ist höchste Zeit, dass die Europäische Union beim Klimaschutz endlich eine glaubwürdige und starke Führungsrolle übernimmt und schnellstens mindestens 30 Prozent CO2-Minderung bis 2020 fest zusagt. Diese Rolle kann sie jedoch nicht spielen, wenn sie den Klimaschutz untergräbt indem sie Schlupflöcher wie das Freikaufen von Klimaschutzverpflichtungen mit CO2-Zertifikaten zulässt“, sagte Weiger.

Pressekontakt: BUND-Klimaexperte Manuel Graf in Cancun, Tel. 0052-1-9981080364, BUND-Vorsitzender Hubert Weiger in Cancun, Tel. 0052-1-9981080392, BUND-Pressesprecher Rüdiger Rosenthal in Cancun, Tel. 0052-1-9981374568 bzw. 0049-171-8311051 oder BUND-Pressereferentin Katrin Riegger, Tel. 0049-30-27586-464/-489, presse@bund.net

Quelle: BUND.net


Wird Cancun "Kopenhagen zwei" statt "Kyoto zwei"? Klimaschutz auf kleinstem gemeinsamem Nenner wird der Aufgabe nicht gerecht

Cancun/Berlin: Für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bleibt der Weltklimagipfel in Cancun mit seinen absehbaren mageren Ergebnissen weit hinter den Erfordernissen des Klimaschutzes zurück. Dies sei kein Paket, das ausreichenden Klimaschutz sichern und die Erderwärmung unter zwei Grad Celsius halten könne.

"Extrem negativ hat gewirkt, dass Deutschland und die Europäische Union vor Cancun ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Die Zusage einer CO2-Minderung um mindestens 30 Prozent bis 2020 hätte den internationalen Klimaverhandlungen Auftrieb gegeben. Angeblich soll diese Zusage jetzt nach der Klimakonferenz von Cancun kommen. ‘Setzen, ungenügend’, so würde jeder Lehrer ein solches Verhalten bewerten", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

"Cancun ist eher ein ‘Kopenhagen zwei’. Die Welt aber hat auf ein ‘Kyoto zwei’ gewartet. Nicht nur dass dieses Warten inzwischen viel zu lange dauert. Viele der vom Klimawandel Betroffenen verlieren auch zu Recht ihre Geduld", sagte Weiger. Eine Klimaschutzpolitik auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner werde den Herausforderungen, vor denen die Weltgemeinschaft stehe, nicht gerecht.

Nicht hingenommen werden könne auch die Aufweichung der bisherigen Klimaschutzziele durch die Schaffung einer Reihe von Schlupflöchern. "Dafür ist vor allem auch die Europäische Union verantwortlich. Dringend erforderlich ist es jetzt, den sogenannten Clean-Development-Mechanism, also Investitionen mit Einnahmen aus dem internationalen CO2-Zertifikatehandel, schärfer an Klimaschutzkriterien auszurichten. Auf keinen Fall dürfen Atom- und Kohlekraftwerke oder der Bau von naturzerstörenden Megastaudämmen mit Geldern aus diesem Handel gefördert werden", sagte Manuel Graf, Klimaexperte beim BUND.

Sollte der globale Klimaschutz unter dem UN-Dach insgesamt scheitern, befürchtet der BUND undemokratische Folgen wie eine Verlagerung der Klimaschutzpolitik in die Gruppe der zwanzig größten Industriestaaten G20. "Eine solche Entwicklung schließt die Zivilgesellschaft und eine große Zahl von Staaten vom Kampf gegen die Klimaerwärmung und damit von einem ihrer wichtigsten Anliegen aus", sagte Weiger.

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BUND-Klimaexperte Manuel Graf in Cancun, Tel. 00 52 / 1 / 99 81 08 03 64
BUND-Vorsitzender Hubert Weiger in Cancun, Tel. 00 52 / 1 / 99 81 08 03 92
BUND-Pressesprecher Rüdiger Rosenthal in Cancun, Tel. 00 52 / 1 / 99 81 37 45 68 bzw. 00 49 / 1 71 / 8 31 10 51
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Quelle: BUND.net


Der Große Schillerfalter ist Schmetterling des Jahres 2011

Berlin: Die Naturschutzstiftung des nordrhein-westfälischen BUND-Landesverbandes und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) haben den Großen Schillerfalter (Apatura iris) zum Schmetterling des Jahres 2011 gekürt. Der Große Schillerfalter sei einer der größten und schönsten Tagfalter in unseren Regionen, zugleich jedoch auch ein Beispiel für die Bedrohung der Arten und ihrer Lebensräume, begründete die Jury ihre Entscheidung. Der immer seltener werdende Schmetterling ist auf naturnahe Mischwälder angewiesen, in denen die Sal-Weide wächst. Die Weide dient ihm zur Eiablage sowie als Futterpflanze für die Schmetterlingsraupen. In Forsten, die einseitig mit Fichten oder Kiefern bepflanzt sind, kann der Schmetterling nicht überleben.

Jochen Behrmann, Geschäftsleiter vom BUND in NRW: „Mit dem Schmetterling des Jahres wollen wir auf die Bedrohung natürlicher Lebensräume für Schmetterlinge aber auch andere Tiere und Pflanzen aufmerksam machen. Der Bestand des  Großen Schillerfalters geht zurück, weil junge Weidenbüsche häufig von Förstern entfernt werden. Damit wird jedoch dem Schmetterling wie auch anderen Insekten die Lebensgrundlage entzogen.“ Insgesamt gelten nur 20 Prozent der Bestände heimischer Falterarten als dauerhaft gesichert.

Mit über sieben Zentimetern Flügelspannweite bei den Weibchen gehört der Große Schillerfalter zu den größten Schmetterlingen Europas. Die blau schillernden Flügel der Männchen, nach denen der Schmetterling benannt ist, sind auf winzige Luftkammern in den Flügelschuppen zurückzuführen. Die weiblichen Schmetterlinge haben eine dunkelbraune Färbung. Charakteristisch sind bei Weibchen und Männchen weiße Flecken auf den vorderen Flügeln sowie eine weiße Binde und ein kleiner Augenfleck auf den hinteren Flügeln. 

Der Große Schillerfalter gehört zu den wenigen Schmetterlingen, die sich nicht von Blütennektar ernähren, sondern von tierischen Produkten wie Exkrementen und Aas. Die meiste Zeit hält sich der Falter in Baumwipfeln auf. Am späten Vormittag fliegt er hinab, um an feuchtkühlen Waldrändern, auf Lichtungen oder Waldwegen Wasser und Nahrung aufzunehmen. Der Große Schillerfalter hat einen ausgeprägten Geruchssinn. Zur Beobachtung kann er durch stark riechenden Käse angelockt werden.

Im Sommer finden sich Männchen und Weibchen zur Paarung in den Wipfeln markanter Eichen oder Buchen, die den Wald überragen. Das Weibchen legt seine Eier einzeln an die Blätter von niedrigen Sal-Weiden ab. Sind die Raupen geschlüpft, klettern diese an die Spitze der Blattoberseite. Von dort fressen sie das Blatt beidseitig ab und lassen nur die mittlere Blattader unversehrt. Die mit ihrer bräunlichen Färbung gut getarnten Raupen überwintern nahezu ungeschützt an den Spitzen der Weidenzweige. Im Mai verpuppen sich die Raupen, zwei bis drei Wochen später schlüpfen die Schmetterlinge. Sie fliegen bis Ende Juli, in kühleren Regionen auch länger. Der Große Schillerfalter ist in weiten Teilen Mittel- und Osteuropas sowie Asiens zuhause. In Deutschland steht der Schillerfalter auf der Vorwarnliste.

Seit 2003 wird der "Schmetterling des Jahres" von der Stiftung des nordrhein-westfälischen Landesverbandes des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gekürt, um auf die Artenvielfalt und ihre Bedrohung aufmerksam zu machen. Auch die Kampagne "Abenteuer Faltertage" des BUND, die seit 2005 jährlich durchgeführt wird, dient dem Schutz der Schmetterlinge. Dabei werden unter Mithilfe der Bevölkerung leicht erkennbare Schmetterlingsarten gezählt.

Fotos des Großen Schillerfalters in Druckqualität finden Sie im Internet (bitte Quellenangabe beachten): http://www.bund-nrw-naturschutzstiftung.de/schmetterling2011.htm

Pressekontakt: Dr. Jochen Behrmann, Geschäftsleiter des BUND-NRW, Tel. 02 11 / 30 20 05-14, jochen.behrmann@bund.net oder Mark Hörstermann, BUND-Kampagne "Abenteuer Faltertage", Tel. 0 30 / 2 75 86-475; bzw. Katrin Riegger, BUND-Pressereferentin, Tel. 0 30 / 2 75 86-464/-489, Mobil: 01 57 / 71 33 57 96,  presse@bund.net

Quelle: BUND.net


Waldschutz darf nicht auf Zahlenspielereien basieren. In Cancun steht Glaubwürdigkeit der Klimapolitik auf dem Spiel. Was macht eigentlich Angela Merkel?

Cancun/Berlin: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat davor gewarnt, dass es beim Weltklimagipfel in Cancun zu falschen Lösungen beim Schutz der Wälder kommen könnte. Die Versuche verschiedener Länder, fragwürdige Berechnungsmethoden zum CO2-Speicherpotential von Wäldern durchzusetzen, schadeten der Glaubwürdigkeit der Europäischen Union und der Klimaschutzpolitik insgesamt. Die von einigen Ländern gewünschte Nicht-Berücksichtigung von CO2-Emissionen aus der Waldnutzung könne allein in den Industriestaaten zu einem geschätzten Kohlendioxidzuwachs von etwa 450 Millionen Tonnen pro Jahr führen.

„Reale CO2-Bilanzen der Waldbewirtschaftung sind essentiell für den Klimaschutz. Das geplante Herausrechnen von CO2-Emissionen, die mit der Waldnutzung verbunden sind, ist zwar ein leicht durchschaubarer Taschenspielertrick. Wenn diese Methode aber von den Entwicklungsländern mit ihren riesigen Wäldern übernommen wird, dann ist das Klima aufs höchste gefährdet. Beim Klimaschutz darf nicht mit zweierlei Maß gemessen werden“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

Blieben die CO2-Reduzierungsziele der Industriestaaten zu niedrig und würden sie mit unzähligen Ausnahmen versehen, lasse sich die Erderwärmung nicht mehr wirksam bremsen. Von den aus wissenschaftlicher Sicht bis 2020 notwendigen Emissionsminderungen sei noch nicht einmal die Hälfte sicher. „Wenn fragwürdige Rechentricks und der CO2-Zertifikate-Handel zu immer mehr Schlupflöchern führen, ist kein wirklicher Klimaschutz mehr möglich“, sagte Manuel Graf, der als BUND-Klimaexperte die Verhandlungen in Cancun beobachtet.

Der BUND forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, sich beim Thema Klimaschutz endlich wieder zu Wort zu melden. Es sei inakzeptabel, dass sie auf Tauchstation gegangen sei. Noch habe Merkel die Chance, ihren bereits arg ramponierten Ruf als Klimakanzlerin wenigstens teilweise zu reparieren. Sie müsse sich für eine Fortführung des Kyoto-Protokolls einsetzen und ihren Widerstand gegen das von der Europäischen Union in Aussicht gestellte CO2-Minderungsziel von minus 30 Prozent bis 2020 im Vergleich zu 1990 aufgeben.

Pressekontakt: BUND-Klimaexperte Manuel Graf in Cancun, Tel. 0052-1-9981080364, BUND-Vorsitzender Hubert Weiger in Cancun, Tel. 0052-1-9981080392, BUND-Pressesprecher Rüdiger Rosenthal in Cancun, Tel. 0052-1-9981374568 bzw. 0049-171-8311051 oder BUND-Pressereferentin Katrin Riegger, Tel. 0049-30-27586-464/-489, presse@bund.net

Quelle: BUND.net


Cancun-Klimaverhandlungen in Schwung bringen, Anliegen der Entwicklungsländer aufgreifen

Berlin/Cancun: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat an die über 200 nach Mexiko zur Weltklimakonferenz in Cancun angereisten Umweltminister und Regierungschefs appelliert, Bewegung in die Klimaschutz-Verhandlungen zu bringen. Seit dem gescheiterten Kopenhagen-Gipfel hätten sich große Teile der Öffentlichkeit enttäuscht von der internationalen Klimadiplomatie abgewendet. Endet Cancun ohne Fortschritte, verlören die Regierungen beim Thema Klimaschutz endgültig ihre Glaubwürdigkeit. "Nicht auszudenken was passiert, wenn die Unterhändler in Cancun keine Vereinbarung zur Fortsetzung des Kyoto-Abkommens hinbekommen", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. "Fast überall auf der Welt ist die Bevölkerung noch offen für die Anstrengungen, die konsequenter Klima- und Umweltschutz auch bedeuten. Versagen aber Politik und Wirtschaft, kann aus der Enttäuschung schnell Frustration und Wut werden. Das ist bei den Demonstrationen tausender Menschen am Rande des Cancun-Gipfels deutlich zu spüren", sagte Weiger.

Kein Staatschef oder Umweltminister dürfe nach Mexiko gekommen sein, um im Kongresszentrum von Cancun ein Schaulaufen vor Fernsehkameras zu veranstalten. Stattdessen müssten sie endlich zur Kenntnis nehmen, dass Klimaschutz ein existentielles Anliegen der Menschen sei. Bei vielen gehe es um das nackte Überleben. Das Engagement der Zivilgesellschaft für mehr Umwelt- und Klimaschutz, aber auch für die Rechte der Landbevölkerung, müsse in entsprechende politische und wirtschaftliche Reformen münden.

"Die Regierungen sind gefordert, in ihren jeweiligen Staaten Demokratie und Beteiligungsrechte zu stärken. Dies gilt auch für Deutschland und die Europäische Union. Gestärkte Beteiligungsrechte und eine funktionierende Zivilgesellschaft sind die entscheidenden Garanten für den Schutz unserer Lebensgrundlagen", sagte Weiger. Eine Politik über die Köpfe der Betroffenen hinweg werde scheitern.

"Kurzfristige wirtschaftliche Interessen dürfen nicht Vorrang vor dem Schutz von Mensch und Natur haben. Deshalb müssen die Bremser in den Klimaverhandlungen klar benannt werden. Es können nur Ergebnisse akzeptiert werden, die dem Klimaschutz tatsächlich nützen. Entscheidend ist, ob die Industriestaaten ein generelles CO2-Minderungsziel bis 2020 vereinbaren und ob es einen Plan gibt, das für den jeweiligen Staat geltende Ziel zu erhöhen, wenn es notwendig ist. Geschlossen werden müssen außerdem Schlupflöcher wie der Ablasshandel mit CO2-Zertifikaten. Heiße-Luft-Buchungen können zum Klimaschutz nichts beitragen", sagte Manuel Graf, BUND-Experte für internationalen Klimaschutz.

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Klimaschutz nicht verschieben. Röttgen muss gemeinsam mit EU für Kyoto-Protokoll kämpfen

Berlin/Cancun: Der Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Hubert Weiger, hat Bundesumweltminister Norbert Röttgen am Tag vor dessen Abreise zur Weltklimakonferenz nach Cancun (Mexiko) aufgefordert, gemeinsam mit der Europäischen Union für die Fortführung des Kyoto-Protokolls zu kämpfen. Dabei habe Röttgen die volle Unterstützung der Umweltbewegung, sagte Weiger in Cancun. Der Stillstand bei den internationalen Verhandlungen zum Klimaschutz lasse sich nur überwinden, wenn auch die Europäische Gemeinschaft weit höhere Ziele zusage als bisher. Andere Staaten oder Staatengruppen würden so unter Zugzwang gesetzt und das Prinzip des "keiner bewegt sich zuerst" wäre durchbrochen.

"Bundesumweltminister Röttgen muss in Cancun vor allem die Bremser der EU ins Gebet nehmen. Eine hochindustrialisierte Region wie die europäische ist wegen ihrer bisherigen CO2-Emissionen nicht nur stärker verantwortlich für den Klimawandel als andere Regionen. Sie hat auch eine größere Verantwortung beim Schutz des Klimas und muss diese endlich wahrnehmen", sagte Weiger. Es räche sich bitter und werde zunehmend teurer, wenn die EU weiter auf die übrige Welt warte, bevor sie dem Ernst der Problematik gemäß handle. Wer den Anschluss beim Klimaschutz verpasse, verpasse auch den Anschluss auf den Märkten für erneuerbare Energien und Energieeffizienz-Techniken. 

Der BUND warnte davor, das Kyoto-Protokoll generell in Frage zu stellen. Die Europäische Gemeinschaft müsse in Cancun den entsprechenden Vorstoß Japans zurückweisen. Es sei blauäugig, über ein neues Klimaschutzabkommen unter Beteiligung der USA oder großer Schwellenländer wie China oder Indien zu diskutieren und zugleich die einzige tatsächlich existierende UN-Vereinbarung zur Begrenzung der Klimagas-Emissionen aufzugeben. Auch eine Reihe von Entwicklungsländern lehne diesen Vorstoß ab. 

Der Umweltverband kritisierte die ebenfalls in Cancun anwesenden Vertreter der Wirtschaft wie Siemens, Volkswagen und von Emissionshandelsunternehmen, weil diese vorrangig auf freiwillige Klimaschutzmaßnahmen bzw. auf nachsorgende Technologien wie die CO2-Abscheidung in Kohlekraftwerken setzten. Ein globales Rahmenabkommen zur Senkung der Treibhausgase wie das Kyoto-Protokoll verknüpft mit strengen nationalen Vorgaben zur CO2-Minderung sei der bessere Weg.  

"Auch der sogenannte Clean-Development-Mechanism, also der internationale Handel mit CO2-Zertifikaten, kann den Klimaschutz im jeweils eigenen Land nicht ersetzen. Dieser Handel sorgt dafür, dass die Energieriesen und jene Großbetriebe, die am meisten CO2 ausstoßen, ihre Klimaschutzpflichten vor allem auf dem Papier erfüllen. Für einen wirksamen Klimaschutz brauchen wir aber reale und massive CO2-Reduktionen", sagte Manuel Graf, BUND-Experte für internationalen Klimaschutz in Cancun.  

Auch aus wirtschaftlicher Sicht spreche alles für verstärkte Klimaschutzanstrengungen zuerst in den Industriestaaten. Anstatt CO2-Zertifikate im Ausland zu kaufen, könnten mit diesem Geld umfangreiche heimische Investitionen in erneuerbare Energien und in Energieeffizienz finanziert werden. Der BUND forderte die Bundesregierung auf, die Nutzung von Clean-Development-Zertifikaten einzudämmen und stattdessen die Anstrengungen zum Klimaschutz auf EU-Ebene zu verstärken.  

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BUND-Klimaexperte Manuel Graf in Cancun, Tel. 00 52 / 1 / 99 81 08 03 64, BUND-Vorsitzender Hubert Weiger in Cancun, Tel. 00 52 / 1 / 99 81 08 03 92, BUND-Pressesprecher Rüdiger Rosenthal in Cancun, Tel. 00 52 / 1 / 99 81 37 45 68 bzw. 00 49 / 1 71 / 8 31 10 51 oder BUND-Pressereferentin Katrin Riegger, Tel. 00 49 / 30-2 75 86-464/-489, presse@bund.net

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Luftverkehrssteuer ist eine der raren Klimaschutzmaßnahmen im Verkehrssektor

Berlin: Für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist die heute vom Bundesrat beschlossene Luftverkehrssteuer eine der seltenen Maßnahmen für mehr Klimaschutz im Verkehrsbereich. Die Einführung einer nach Flugstrecke gestaffelten Steuer in Höhe von 8, 25 bzw. 45 Euro pro Fluggast sei zwar nur ein kleiner Baustein beim Abbau der ökologisch nachteiligen Subventionen des Luftverkehrs, sagte der BUND-Verkehrsexperte Werner Reh. Neben der Tatsache, dass die Steuer die Umweltschäden des Fliegens mit einem Preis belege, schärfe diese Maßnahme jedoch auch das Bewusstsein dafür, dass die Fliegerei eine der klimaschädlichsten Arten der Fortbewegung sei. "Fliegen zum Nulltarif zum Shoppen übers Wochenende nach London, Paris oder Wien wird es jetzt von Deutschland aus nicht mehr geben und das ist auch gut so", sagte Reh: "Es vergeudet wertvolle Ressourcen, schadet dem Klima und zieht der Bahn Fahrgäste ab."

Zwar mache die zu erwartende eine Milliarde Euro Luftverkehrssteuer-Einnahme lediglich ein Zehntel der gegenwärtigen Luftverkehrssubventionen aus. Trotzdem sei es ein erster Schritt zu mehr Wettbewerbsgleichheit im Verkehr und ein notwendiger Beitrag zur Begrenzung der CO2-Emissionen des Luftverkehrs. Derzeit gingen rund fünf Prozent des vom Menschen verursachten Treibhauseffekts auf das Konto des Luftverkehrs, mit steigender Tendenz.

Im Vorfeld der heutigen Bundesratssitzung hatte der BUND die SPD-Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und Brandenburg sowie den Bürgermeister von Berlin dafür kritisiert, dass sie regionale Flughafeninteressen über den Klima- und Umweltschutz stellen und die Flugverkehrssteuer kippen wollten. "Die SPD macht sich umweltpolitisch unglaubwürdig. Die aus ihren Reihen vorgetragenen Argumente gegen die Flug-Steuer sind nicht überzeugend“, sagte Reh: „Die nationale Regelung zur umweltbezogenen Bepreisung des Fliegens ist derzeit die einzige realistische Handlungsmöglichkeit. Auch eine angeblich zu erwartende Abwanderung zu grenznahen Flughäfen in Nachbarländern ist nicht belegt."

Der Umweltverband forderte von Bundesregierung und Bundesrat die schnellstmögliche Weiterentwicklung der Luftverkehrssteuer. Erforderlich sei vor allem eine Differenzierung zwischen den verschiedenen Komfortklassen. Business-Class- und Erste-Klasse-Fluggästen sei im Vergleich zu Economy-Kunden wegen der von ihnen genutzten größeren Flächen die zwei- bis dreifache CO2-Menge zuzurechnen. Geprüft werden müsse auch, Frachtflüge, Transferpassagiere und Lärmemissionen in die Luftverkehrssteuer einzubeziehen. 

Weitere Informationen

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Werner Reh, BUND-Verkehrsexperte, Tel. 0 30 / 2 75 86-435 bzw. Rüdiger Rosenthal, BUND-Pressesprecher, Tel. 0 30 / 2 75 86-464/-489; presse@bund.net

 

 

 

Quelle: BUND.net


EU verbietet Bisphenol A für Babyflaschen: BUND und WECF fordern Verbot auch für weitere Anwendungen

Brüssel/Berlin: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Organisation Women in Europe for a Common Future (WECF) begrüßen den Beschluss der Europäischen Kommission, in Babyflaschen die Chemikalie Bisphenol A ab 1. Juni 2011 EU-weit zu verbieten.

Bisphenol A wirke im Körper bereits in geringsten Mengen hormonell. Herz- und Kreislauferkrankungen, Störungen der Sexualentwicklung sowie Diabetes würden mit der Chemikalie in Verbindung gebracht. Sie könne im Urin von nahezu jedem Menschen nachgewiesen werden.

Patricia Cameron, BUND-Chemieexpertin: "Kinder sind besonders gefährdet. Das Verbot von Bisphenol A in Babyflaschen ist deshalb ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Die Belastung fängt jedoch bereits im Mutterleib an. Deshalb muss die Chemikalie auch für alle Anwendungen verboten werden, die Kinder und schwangere Frauen belasten können."

Allein in Deutschland würden jährlich rund 400000 Tonnen Bisphenol A vermarktet.  Babyfläschchen hätten daran nur einen geringen Anteil. So finde sich der Stoff auch in zahlreichen anderen Kunststoffartikeln aus Polycarbonat sowie in den Innenbeschichtungen von Dosen und in Thermopapier.

"Wenn die EU die Verbraucher wirklich schützen will, dann kann ein Verbot für Babyfläschchen nur der Anfang sein", so Alexandra Caterbow, Chemikalienexpertin des WECF. "Mittlerweile bieten fast alle Hersteller neben konventionellen Kinderartikeln wie Babyfläschchen und Schnullern aus Polycarbonat auch Bisphenol-A-freie Produkte an. Dies zeigt, dass der Stoff leicht zu ersetzen ist und einem weitergehenden Verbot nichts im Wege steht."

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Patricia Cameron, BUND-Expertin für Chemikalienpolitik, Tel. 0 30 / 2 75 86-426 bzw. Rüdiger Rosenthal, BUND-Pressesprecher, Tel. 0 30 / 2 75 86-425/ -489, presse@bund.net; Alexandra Caterbow, WECF-Expertin für Chemikalienpolitik, Tel. 01 79 / 5 24 49 94, www.wecf.eu

Quelle: BUND.net


Weltklimakonferenz in Cancun: Deutschland und EU müssen Kyoto-Protokoll verteidigen und Klimaschutz-Hausaufgaben machen

Berlin: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht trotz der im Vorfeld heruntergeschraubten Erwartungen an den Weltklimagipfel im mexikanischen Cancun (29.11. bis 10.12.) noch Chancen für Fortschritte. In Mexiko müssten sich die Vertragsstaaten einschließlich der Europäischen Union auf eine Weiterführung des Kyoto-Protokolls für die Zeit nach 2013 einigen, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger in Berlin. Weiter auf die USA oder andere Bremserstaaten zu warten, sei keine Option. Der Obama-Administration fehle es derzeit an innenpolitischer Unterstützung, die USA in ein verbindliches internationales Klimaschutzabkommen einzubinden.

"Die erste Periode des Kyoto-Protokolls endet 2012. Es wäre fatal, wenn die Weltgemeinschaft dann keine Vorgaben zur Minderung ihrer CO2-Emissionen mehr hat. Die EU muss endlich wieder ihre frühere Vorreiterrolle einnehmen und sich für eine zweite Verpflichtungsperiode einsetzen. Sie muss als ersten Schritt in Cancun die Reduzierung ihrer CO2-Emissionen bis 2020 um mindestens 30 Prozent zusagen. Und zwar ohne Vorbedingungen. Dass eine solche Vorwärtsstrategie aufgehen kann, hat die Weltnaturschutzkonferenz in Japan vor vier Wochen gezeigt", sagte Weiger. 

Leider habe auch Deutschland seine Vorbildrolle beim Klimaschutz aufgegeben. So unterstütze die Bundesregierung die Pläne zum Neubau von rund 20 klimaschädlichen Kohlekraftwerken, verhindere strenge Auflagen zur CO2-Reduzierung von Autos und Flugzeugen und bremse die erneuerbaren Energien aus, indem sie Atomkraftwerken längere Laufzeiten gewähre. Schlupflöcher für die Konzerne und Ausnahmen beim Klimaschutz dürfe es nicht geben. "Die Energiekonzerne und andere Industriezweige setzen derzeit massiv auf den Klimaablasshandel und decken sich mit CO2-Emissionszertifikaten aus Entwicklungs- und Schwellenländern ein", sagte Manuel Graf, BUND-Experte für internationalen Klimaschutz. Die Projekte, die sie im Gegenzug in diesen Ländern förderten, bewirkten jedoch kaum echte CO2-Minderungen. 

Graf: "Die Weltgemeinschaft erwartet, dass in Cancun ein faires Klimaabkommen auf den Weg gebracht wird, das die Erderwärmung wirksam begrenzt. Die bisherige Weigerung der Industriestaaten, dabei voranzugehen, schadet vor allem den Menschen in den ärmsten Ländern der Welt. Diese spüren Folgen des Klimawandels wie Überschwemmungen, Stürme und Dürren am stärksten. Wenn sich die Industriestaaten in Cancun zu einer ernsthaften Klimaschutzpolitik durchringen, werden auch die Schwellen- und Entwicklungsländer bereit sein, größere Beiträge zur Bewältigung der Klimakrise zu leisten."

Pressekontakt in Cancun ab 29.11.

Manuel Graf, BUND-Experte für internationalen Klimaschutz, Tel. 00 49-1 73 / 6 07 16 01

Pressekontakt in Cancun ab 4.12.

BUND-Vorsitzender Hubert Weiger und BUND-Pressesprecher Rüdiger Rosenthal, Tel. 00 49-1 71 / 8 31 10 51

Pressekontakt in Berlin

Katrin Riegger, BUND-Pressereferentin, Tel. 0 30 / 2 75 86-464/ -489 bzw. Mobil: 01 57 / 71 33 57 96, presse@bund.net

Quelle: BUND.net


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