Crochunter´s Umweltnews

News & Fakten über unsere Umwelt und unser Klima

Masterplan Güterverkehr bringt zu wenig für den Klimaschutz

Statement des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zum heute von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee vorgestellten "Masterplan Güterverkehr und Logistik": 

Werner Reh, Verkehrsexperte des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierte die fehlende Wirksamkeit des "Masterplanes" für den Klimaschutz: "Der Masterplan bringt zu wenig für die Senkung der CO2-Emissionen im Güterverkehr und nutzt die technischen Effizienzreserven zum Spritsparen nicht aus. Es ist umwelt- und klimapolitisch inakzeptabel, wenn der Straßengüterverkehr bis 2025 um achtzig Prozent wachsen soll und Tiefensee so tut, als sei dies ein Naturgesetz. Es fehlt das Umsteuern in Richtung einer nachhaltigen Verkehrsplanung." 

Die Lkw-Hersteller und die Speditionen müssten durch ambitionierte CO2-Grenzwerte und eine Maut, die die vollen Umweltkosten der Fahrzeuge einbeziehe, dazu gebracht werden, Spritverbrauch und "Just in time"-Transporte auf der Straße zu reduzieren. Als Transitland Nummer Eins müsse Deutschland hier europaweit Maßstäbe setzen. Für die Transitverkehre fehlten außerdem regionale Maßnahmen zur Senkung der Verkehrsbelastungen in besonders belasteten Regionen wie dem Alpenraum. 

Positiv bewertete der BUND, das die Erstellung des Masterplanes im Verkehrsministerium ein Umdenken eingeleitet habe. Ein Thema wie die Notwendigkeit stärkerer Verkehrsvermeidung sei dort endlich angekommen. Ein Umdenken zeige sich auch darin, dass mit einem geplanten Zuwachs von 67 Prozent bis 2020 für den Schienenverkehr konkrete Zielvorgaben gemacht worden seien. Diese müssten jedoch vor allem durch Verlagerungen von Gütertransporten von der Straße auf die Schiene zustande kommen. Ehrgeizig wäre es, diesen Anteil von heute 17 Prozent auf künftig etwa ein Drittel zu steigern. Erst dann könnten Umwelt und Bürger aufatmen.  

Mehr Informationen:

  • Werner Reh, BUND-Verkehrsexperte, Tel. 0 30 / 2 75 86-435 bzw.
  • Rüdiger Rosenthal, BUND-Pressestelle, Tel. 0 30 / 2 75 86 -425/-489, Fax: -440, Mobil: 01 71 / 8 31 10 51, presse@bund.net

Quelle: BUND.net


Forsa: Mehrheit der Deutschen will, dass Hamburgs Grüne das Kohlekraftwerk in Moorburg verhindern

BUND startete Internetaktion "Worthalten – Kraftwerk Moorburg stoppen"

Berlin/Hamburg: 53 Prozent der Bundesbürger wollen, dass Hamburgs Grüne bei den kommenden Koalitionsverhandlungen mit der CDU an ihrer Ablehnung eines neuen Kohlekraftwerks in Hamburg-Moorburg festhalten. Die Grünen sollten das Kraftwerk auch dann weiter ablehnen, wenn deshalb die Bildung einer Koalition mit der Union scheitern würde. 39 Prozent sind der Meinung, die Grünen sollten im Zweifel in dieser Frage nachgeben. Die Hamburger Grün-Alternative-Liste (GAL) hatte sich im Wahlkampf klar gegen den Bau des Steinkohlekraftwerks ausgesprochen. Laut der vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) beim Meinungsforschungsinstitut Forsa in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage sind Anhänger der Grünen bundesweit sogar zu 75 Prozent der Auffassung, die GAL solle das Kraftwerk in Hamburg-Moorburg weiterhin ablehnen, selbst wenn es deshalb zu keiner schwarz-grünen Koalition in der Hansestadt kommen sollte. Die Forsa-Umfrage ergab außerdem, dass 68 Prozent der Deutschen generell keine neuen Kohlekraftwerke wollen. 

BUND-Bundesgeschäftsführer Gerhard Timm: "Die Mehrheit der Bevölkerung ist aus gutem Grund gegen neue Kohlekraftwerke. In Zeiten der globalen Klimaerwärmung ist es nicht hinnehmbar, dass Vattenfall und der künftige Hamburger Senat auf den Klimakiller Kohle anstatt auf zukunftsfähige Energiekonzepte setzen. Die Hamburger GAL muss ihr Wahlversprechen einhalten und das Vattenfall-Kraftwerk in Moorburg verhindern. Alles andere würde der Glaubwürdigkeit der Grünen insgesamt schaden." 

Das Kraftwerk in Hamburg-Moorburg würde nach Berechnungen von Experten den CO2-Ausstoß der Hansestadt um 40 Prozent erhöhen. Timm: "Sollte das Vattenfall-Kraftwerk trotzdem gebaut werden, wird wirksamer Klimaschutz in Hamburg auf Dauer unmöglich. Dabei gibt es genug Alternativen. Das würde bedeuten, dass vor allem das Energiesparen und die regenerativen Energien stärker gefördert werden." 

Die Verhinderung des Hamburger Kohlemeilers wäre auch ein wichtiges Zeichen in Richtung der anderen Standorte in Deutschland, an denen weitere 26 Kohlekraftwerke geplant seien. "Hamburg-Moorburg könnte die siebte Kohlendioxidschleuder werden, die aufgrund des Widerstands auch des BUND verhindert wurde. Das wäre ein wichtiger Beitrag für mehr Klimaschutz und zur Förderung alternativer Energien", sagte Timm. 

Um die Hamburger Grünen an ihr Wahlversprechen zu erinnern, startete der BUND heute die Online-Aktion "Worthalten – Kraftwerk Moorburg stoppen". Bis zum Beginn der Koalitionsverhandlungen können Bürgerinnen und Bürger die Hamburger Grünen mit E-Mails an ihr Wahlversprechen erinnern, das Kraftwerk in Moorburg zu verhindern. 

Hier finden Sie weitere Informationen und die Online-Aktion.

Pressekontakt:
Thorben Becker, BUND-Energieexperte, Tel. 0 30 / 2 75 86 -421 bzw. Rüdiger Rosenthal, BUND-Pressestelle, Tel. 0 30 /2 75 86 -425/-489, Fax: -440, presse@bund.net

Quelle: BUND.net


Nanopartikel in Lebensmitteln: unsichtbar, kaum auf Risiken geprüft, gesetzlich ungeregelt. Bundesregierung muss Verkaufsstopp beschließen

Berlin: Obwohl es eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Belege für mögliche Gesundheits- und Umweltgefahren gibt, werden nach Recherchen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Lebensmittelbereich nachweislich in rund einhundert zum Teil auch in Deutschland verkauften Produkten Nanomaterialien eingesetzt. Die Hersteller dieser Produkte, dabei handelt es sich neben Lebensmitteln vor allem um Nahrungsergänzungsmittel, Küchenartikel, Verpackungen und Agrochemikalien, verschweigen oft die Verwendung von Nanomaterialien. Zudem fehlen gesetzlich vorgeschriebene Tests, um Verbraucher und Umwelt ausreichend vor den Risiken zu schützen, die besonders im Lebensmittelbereich von den winzigen Nanopartikeln ausgehen können. Das sind die wichtigsten Ergebnisse der ersten umfangreichen Studie zur Anwendung synthetischer Nanomaterialien im Lebensmittelsektor, die der BUND heute gleichzeitig mit seinen Partnerorganisationen von "Friends of the Earth" in Australien, Europa und den USA veröffentlicht hat.

Zu den Firmen, die Nanopartikel für den Lebensmittelbereich herstellen, gehören BASF und Evonik (vormals Degussa). Nanopartikel messen nur wenige hundert Nanometer. Der Durchmesser eines Haares beträgt 50.000 Nanometer. Sie wirken chemisch und physikalisch zumeist stärker als größere Teilchen des gleichen Stoffes und können leichter in Zellen, Gewebe und Organe eindringen. Ihre stärkere biologische Reaktionsfähigkeit kann auch zur höheren Toxizität führen. Beispielsweise kann der sonst unbedenkliche Lebensmittelzusatz Titandioxid in Nanogröße die DNS sowie Zellfunktionen schädigen und so die Abwehrkräfte von Immunzellen beeinträchtigen. Mit der Nahrung aufgenommene Nanopartikel können die Darmwände durchdringen und ins Blut übergehen. Sie können in verschiedene Organe gelangen und die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Außerdem werden sie mit zunehmenden Fällen der entzündlichen Darmkrankheit Morbus Chron in Verbindung gebracht.

"Die Lebensmittelindustrie nimmt die Risiken des Einsatzes von Nanomaterialien in ihren Produkten offenbar nicht ernst", sagt Wilfried Kühling, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des BUND. "Weltweit sind schätzungsweise bereits bis zu 600 Lebensmittel mit Nanozusätzen auf dem Markt. Weil es aber keine Kennzeichnungspflicht gibt, weiß man nicht, in welchen Produkten Nanomaterialien enthalten sind. Selbst die zuständigen Behörden haben keine ausreichenden Informationen darüber. Und die Verbraucher haben kaum Chancen, die Aufnahme von Nanopartikeln über die Lebensmittel zu vermeiden."

Nanomaterialien sind z. B. in verschiedenen Ketchups, Gemüsebrühen oder in Puderzucker enthalten, um deren Fließ- und Rieseleigenschaften zu verbessern. In Nanogröße verkapselte Geschmacks-, Farb- und Konservierungsstoffe werden bei der Wurstherstellung eingesetzt, in Nanokapseln eingeschlossene Mineralstoffe und Vitamine sollen den Nährwert von Backwaren und Erfrischungsgetränken steigern. Zunehmend kommen außerdem Frischhalteboxen und Kühlschränke mit antibakteriell wirkenden Nano-Silberionen auf den Markt. Nanomaterialien halten auch Einzug in die Landwirtschaft: Über die Anwendung in Düngern und Pestiziden können sie in die produzierten Lebensmittel und in die Umwelt gelangen.

Patricia Cameron, BUND-Expertin für Chemikalienpolitik und Nanotechnologie: "Die mithilfe der Nanotechnologie erzeugten neuen Stoffeigenschaften werden im Lebensmittelbereich bei immer mehr Produkten genutzt. Die möglichen Gefahren sind jedoch kaum untersucht. Der Gesetzgeber sieht bisher keinen Handlungsbedarf. Das Vorsorgeprinzip muss aber für alle Technologien gelten: Wenn wir nicht wissen, wie groß die Gefahren sind, müssen solche Anwendungen untersagt und zuerst die Risiken umfassend untersucht werden."

Die Bundesregierung müsse den Verkauf von Lebensmitteln, Verpackungen, Küchenartikeln und Agrochemikalien, die Nanomaterialien enthalten, sofort stoppen. Solche Produkte dürften nicht vermarktet werden, solange keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege über eine Unbedenklichkeit vorlägen. Erforderlich seien zudem gesetzliche Regelungen, die Verbraucher und Umwelt vor möglichen Risiken schützen. Dazu gehöre auch eine Kennzeichnungspflicht beim Einsatz von Nanomaterialien, damit Verbraucherinnen und Verbraucher sich entscheiden könnten, ob sie Nanoprodukte kaufen wollten oder nicht.

Mehr Informationen

Pressekontakt:
Patricia Cameron, BUND-Chemieexpertin, Tel. 0 30 / 2 75 86 -426, Mobil: 01 75 / 5 96 38 16 bzw. Rüdiger Rosenthal, BUND-Pressestelle, Tel. 0 30 / 2 75 86 -425/-489, Mobil: 01 71 / 8 31 10 51, Fax: -440, presse@bund.net

Quelle: BUND.net


Bundestag soll KWK-Förderung ausweiten und damit neue Kohlekraftwerke überflüssig machen

Berlin: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat anlässlich der heutigen Bundestagsdebatte zum Klimaschutzprogramm der Bundesregierung deutliche Nachbesserungen am Gesetzentwurf zur Förderung der umweltfreundlichen Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) verlangt. Nur mit einer entschlossenen Förderung sei es möglich, die Stromerzeugung aus KWK-Heizkraftwerken entscheidend auszubauen und so die von den Energiekonzernen geplanten rund 25 klimaschädlichen Kohlekraftwerke überflüssig zu machen.

Klaus Brunsmeier, stellvertretender BUND-Vorsitzender: „Die Energieunternehmen schüren Ängste vor einer angeblichen Stromlücke, verweigern aber Investitionen in effiziente und klimaschonende Heizkraftwerke. Die von den Stromkonzernen geplanten Kohlekraftwerke werden über die Hälfte der eingesetzten Primärenergie vergeuden, da sie in Form von Dampfwolken aus den Kühltürmen entweicht. Und auch die Bundesregierung kündigt in Sachen Klimaschutz gern langfristige Ziele an. Beim Ausbau der Heizkraftwerke hat sie jetzt aber sofort die Chance, mit einer besseren Förderung einen ebensolchen Boom auszulösen wie bei den erneuerbaren Energien.“

Mit der bisher geplanten jährlichen Deckelung der KWK-Förderung auf 750 Millionen Euro werde die Bundesregierung ihr selbst gestecktes Ziel einer Verdoppelung der Energieerzeugung in KWK-Anlagen verfehlen. Wegen dieser Deckelung sei selbst bei optimistischen Annahmen lediglich eine Steigerung um 60 Prozent möglich. Da eine Vergütung für den effizient erzeugten Strom zudem nur unter zahlreichen Ausnahmen und Befristungen gewährt werde, würden außerdem potentielle Investoren verschreckt. So plane die Bundesregierung, nur selbst genutzten KWK-Strom in Industriebetrieben zu fördern, nicht aber in Dienstleistungseinrichtungen wie Hallenbädern oder Krankenhäusern. Der BUND forderte eine um 40 Prozent höhere Vergütung für den Strom aus KWK-Anlagen als von der Bundesregierung geplant. Das würde pro erzeugter Kilowattstunde eine Preissteigerung von lediglich 0,5 Cent bedeuten. Ein Durchschnittshaushalt müsste für den umweltfreundlichen Strom monatlich etwa einen Euro mehr zahlen.

Matthias Seiche, BUND-Klimaexperte: „Die Energiekonzerne hatten vor sieben Jahren versprochen, den Anteil der umweltfreundlichen Heizkraftwerke bis 2010 zu verdoppeln. In Wirklichkeit blockieren Eon, RWE, Vattenfall und EnBW aber mit allen Mitteln Investitionen in solche dezentralen Kraftwerke. Der Bundestag muss jetzt verhindern, dass die Bundesregierung die 2001 von der Wirtschaft zugesagte Verdoppelung der Kraft-Wärme-Kopplung bis ins Jahr 2020 verschiebt.“

Um die Energieversorgung klimaverträglicher und sicherer zu gestalten, müssten regenerative Energien bis 2020 die Kapazitäten der Atomkraftwerke ersetzen. Zur Vermeidung des Neubaus von Kohlekraftwerken müsse der Stromverbrauch in Deutschland im gleichen Zeitraum um ein Fünftel gesenkt und der Anteil des Stroms aus KWK-Anlagen auf ein Drittel des insgesamt erzeugten Stroms erhöht werden.

Im Gegensatz zu Großkraftwerken nutzen dezentrale KWK-Anlagen über 80 Prozent der eingesetzten Brennstoffenergie zur Stromerzeugung und zum Heizen von Gebäuden.

Mehr Informationen

Pressekontakt: Matthias Seiche, BUND-Klimaexperte, Tel. 0 30 / 2 75 86-433, Mobil: 01 73 / 6 07 16 03 bzw. Katrin Riegger, BUND-Pressestelle, Tel. 0 30 / 2 75 86-464/-489, Fax: -440, presse@bund.net

Quelle: BUND.net


BUND legt Konzept für europäische Pkw-Verbrauchslimits vor. Hersteller sollen für schwere Autos hohe Strafen zahlen

Berlin/Brüssel: Einen Tag nachdem die EU-Umweltminister in Brüssel über Regeln zur Senkung des Spritverbrauchs von Neuwagen beraten haben, stellte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) heute ein eigenes Konzept zur Senkung der CO2-Emissionen bei Pkw vor. Danach hätten in Europa neuzugelassene Fahrzeuge bis 2012 im Durchschnitt das Limit von 120 Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer einzuhalten. Für jeden nach 2012 produzierten Pkw, der über dem 120-Gramm-Durchschnitt liegt, soll nach dem BUND-Vorschlag der Hersteller eine Strafe von 150 Euro pro Gramm Überschreitung zahlen. Sollten die Hersteller schwerer und luxuriöser Fahrzeuge wie Mercedes, BMW und Audi die Emissionen ihrer Neuwagen nicht mindestens um ein Drittel reduzieren, müssten sie nach dem BUND-Konzept ab 2012 mit hohen Strafen rechnen. Mit den Einnahmen aus den Strafzahlungen solle die EU-Kommission Entwicklung und Kauf besonders sparsamer Autos und den Ausbau umweltfreundlicher Verkehrsmittel bezuschussen. Bis 2020 soll der Durchschnittsgrenzwert dann bei gleich hohen Strafen auf 80 Gramm CO2 pro Kilometer gesenkt werden.

Der BUND hat ausgerechnet, dass nach dem vorliegenden EU-Kommissionsvorschlag die Pkw-Flotte in Europa im Jahr 2025 im Durchschnitt noch immer über fünf Liter Sprit auf hundert Kilometer verbrauchen und bezogen auf das einzelne Fahrzeug mehr als 120 Gramm CO2 pro Kilometer emittieren wird. Grund dafür sei das Fehlen wirksamer Anreize zur Gewichtsreduzierung bei Neuwagen. Die Umweltschützer fordern bis 2030 eine Halbierung der realen CO2-Emissionen des Pkw-Verkehrs in der EU.

Ulrike Mehl, stellvertretende BUND-Vorsitzende: "Die Bundesregierung verliert endgültig ihre klimapolitische Unschuld, wenn sie weiter die Lobbyistin der deutschen Autoindustrie gibt und sich für die großen und schweren Karossen ins Zeug legt. Bei ihren Meseberger Beschlüssen zum Klimaschutz hat sie vor knapp einem Jahr noch gefordert, bis 2012 das 120-Gramm-Ziel durchzusetzen. Und jetzt verwässert die gleiche Bundesregierung jeden ehrgeizigen Vorschlag und stellt die Weichen in eine völlig falsche Richtung. Sie verhindert so die wirksamste Methode zur Senkung des Spritverbrauchs: nämlich die stufenweise Reduzierung des Fahrzeuggewichts."

Die Bundesregierung votiere außerdem bei den auch von der EU geplanten Strafzahlungen für Spritfresser bewusst für einen niedrigen Wert von nur 35 Euro pro Gramm Überschreitung. Den deutschen Autoherstellern falle es dann relativ leicht, diese Strafen mit den hohen Gewinnen u. a. aus dem Verkauf eben dieser Spritfresser zu finanzieren. Z. B. müsste Porsche lediglich rund 140 Millionen Euro zahlen, wenn dessen Neufahrzeuge im Jahr 2015 durchschnittlich etwa 250 Gramm CO2 pro Kilometer, also mehr als das Doppelte des dann geltenden Wertes, ausstoßen würden. 

BUND-Verkehrsexperte Werner Reh: "Anstatt effiziente und sparsame Autos zu bauen, lamentieren die Manager der deutschen Autoindustrie über die angeblich unfaire Verteilung der Lasten beim Klimaschutz. Wann endlich kommen diese Herrschaften in der Realität des europäischen Automarktes und zunehmender Ölknappheit an? Kein deutscher Hersteller bietet heute eine breite Palette verbrauchsgünstiger und bezahlbarer Benzin-Pkw. Dabei hat das Institut für Kraftfahrtwesen in Aachen im Auftrag des Umweltbundesamtes erst vor kurzem gezeigt, dass bei einem serienmäßigen fünfsitzigen Auto mit einfachen Mitteln und mit Kosten um die 500 Euro pro Fahrzeug der Spritverbrauch um rund ein Drittel gesenkt werden kann."

Der BUND verlangt ebenso wie die EU-Kommission von den Autoherstellern im sogenannten "Premiumsegment", also vor allem von Mercedes, Audi und BMW eine überdurchschnittliche Minderung der CO2-Emissionen ihrer Neuwagen. Derzeit stießen die Fahrzeuge dieser Autofirmen durchschnittlich 180 Gramm CO2 und mehr pro gefahrenem Kilometer aus. Es sei daher nur fair, wenn diese Hersteller ihre Emissionen um 30 Prozent und damit um zehn Prozent stärker reduzieren müssten als im europäischen Mittel erforderlich. Leider würden deutsche Hersteller bei dem übermorgen beginnenden Genfer Autosalon erneut Modelle vorstellen, die mit Motorenstärken von über 500 PS allen Klimaschutzzielen zuwiderliefen. 

Pressekontakt: Werner Reh, BUND-Verkehrsexperte, Tel. 0 30 / 2 75 86-435 bzw. Rüdiger Rosenthal, BUND-Pressestelle, Tel. 0 30 / 2 75 86-425/-489, Fax: -440, Mobil: 01 71 / 8 31 10 51, presse@bund.net

Mehr Informationen

Quelle: BUND.net


Tintenstrahldrucker: "Aus" ist nicht gleich "Aus" / Bei jedem vierten Gerät 100 Euro zusätzliche Stromkosten in zehn Jahren

Berlin: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) veröffentlichte am Vortag der Eröffnung der Computermesse CEBIT heute eine Untersuchung zum Stromverbrauch von Tintenstrahldruckern. Ergebnis: Bei mehr als einem Viertel der untersuchten Multifunktionsdrucker verursacht der Stand-by-Verbrauch der Geräte innerhalb von zehn Betriebsjahren mehr als 100 Euro überflüssige Stromkosten. In diesem Zeitraum liegen z.B. bei Kodak-Druckern die Gesamtstromkosten bei 140 Euro, über 100 Euro gehen auf das Konto von Stand-by und dem weiteren Stromverbrauch im scheinbar ausgeschalteten Zustand. Dass es auch anders geht, zeigen die Geräte von Epson. Deren Drucker verbrauchen innerhalb von zehn Betriebsjahren lediglich Strom für rund 14 Euro.

Nach Angaben des BUND sind die Stand-by-Verluste aller elektronischen Geräte in Deutschland jährlich für rund zehn Millionen Tonnen des klimaschädlichen CO2 verantwortlich. Dies sei doppelt so viel wie die Emissionen der Stadt Hannover. Der Umweltverband forderte die Druckerhersteller auf, veraltete Geräte mit hohem Stromverbrauch nicht weiter zu verkaufen.

Hubert Weiger, BUND-Vorsitzender: "Die Elektronikkonzerne werden auch auf der CEBIT viel von der sogenannten grünen Informationstechnologie reden. In Wirklichkeit jubeln sie den Verbraucherinnen und Verbrauchern immer wieder Stromfresser unter. Es sind gewaltige Anstrengungen notwenig, um den klimaschädlichen Stromverbrauch zu verringern. Die Bundesregierung muss auf europäischer Ebene endlich scharfe Grenzwerte zur Minimierung des Stromverbrauchs durchsetzen."

Beim Test von Tintenstrahldruckern mit Scanner und Kopierfunktion schnitten einige Modelle von Brother, Hewlett-Packard (HP) und Kodak besonders schlecht ab. Sogar ausgeschaltet verbrauchten sie mehr als fünf Watt Strom. Da bei diesen Geräten im "Schein-Aus" oft keine Kontrolllampe mehr leuchte, würden die Verbraucher über den Stromverbrauch getäuscht, so der BUND. Anders ist dies bei den Druckern von Epson, deren Stromverbrauch in ausgeschaltetem Zustand lediglich 0,2 Watt betrug. Da private Verbraucher nur kurze Zeit täglich drucken und die Geräte zumeist ausgeschaltet sind bzw. sich im Bereitschaftsmodus befinden, fallen hier die Leerlaufverluste besonders stark ins Gewicht.

Der BUND bewertete neben dem Stromverbrauch auch die Informationen der Hersteller sowie das Einhalten der Verbrauchskriterien des Gütesiegels "Energy Star". Epson und Canon schnitten hier mit der Note "Gut" am besten ab. Hewlett-Packard und Kodak waren mit der Note "Mangelhaft" die Schlusslichter unter sieben bewerteten Herstellern.

Hewlett-Packard reagierte auf die vom BUND recherchierten Daten mit dem Versprechen, den Stromverbrauch der 2008 neu auf den Markt kommenden Multifunktionsdrucker im ausgeschalteten Zustand auf 0,5 Watt zu senken. Bei den derzeit erhältlichen HP-Druckern für private Verbraucher lag dieser Wert bei 4,7 Watt. Allerdings schalten viel HP-Drucker beim Betätigen des Aus-Schalters lediglich in einen sogenannten "Soft-Off"-Zustand um, der immer noch mehr Strom verbraucht als ein "Off"-Zustand.

Jonas Mey, BUND-Energieexperte: "Das Verwirrspiel vieler Hersteller gegenüber den Verbrauchern muss ein Ende haben. Ein Drucker darf im Stand-By-Modus nicht mehr als ein Watt benötigen. Ausgeschaltet darf er überhaupt keinen Strom mehr verbrauchen. Dies muss in der geplanten EU-Richtlinie zum ökologischen Design der elektronischen Geräte eindeutig gesetzlich fixiert werden."

Neben dem hohen Stromverbrauch machte der BUND bei seinen Recherchen auch den überflüssigen Tintenverbrauch als Kostenfalle aus. Nach jeder Trennung vom Stromnetz würden bei  vielen Druckern die Tintenpatronen durchgespült. Dies sei jedoch überflüssig, wenn das Gerät davor nur wenige Tage ausgeschaltet gewesen war.

Pressekontakt: Jonas Mey, Energieexperte des BUND, Tel. 0 30 / 2 75 86-436, Mobil 01 79 / 6 63 70 89 bzw. Katrin Riegger, BUND-Pressestelle, Tel. 0 30 / 2 75 86-425/489, Fax: -440, presse@bund.net

Quelle: BUND.net


Artensterben stoppen: Bundesregierung muss europäische Naturschutzrichtlinien vollständig umsetzen

Berlin: Anlässlich des Tags des Artenschutzes am 3. März hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vor einem verstärkten Artensterben gewarnt, wenn die Bundesregierung nicht endlich die europäischen Naturschutzrichtlinien vollständig umsetze. Der Erhalt von mehr als 60 Prozent der nach EU-Recht geschützten Arten sei hierzulande bedroht. Damit stehe der Artenschutz in Deutschland im europäischen Vergleich schlecht da. Die Zerstörung von Lebensräumen durch intensive Land- und Forstwirtschaft sowie durch Straßen- und Siedlungsbau bedrohe vor allem seltene Säugetiere, Reptilien und Amphibien. Hochmoore mit ihrer besonderen Artenvielfalt seien ebenfalls stark gefährdet, Ursache sei hier der hohe Stickstoffeintrag aus der Luft.

Nahezu die Hälfte aller untersuchten Tierarten in Deutschland ist gefährdet. Elf Prozent sind laut Roter Liste stark gefährdet, sieben Prozent vom Aussterben bedroht und drei Prozent bereits ausgestorben. Bei den Pflanzen sieht es ähnlich aus.

Hubert Weiger, BUND-Vorsitzender: "Die Zahlen der gefährdeten und vom Aussterben bedrohten Arten sind alarmierend. Dennoch beschließen Bundesregierung und die Länder keine effektiven Schutzmaßnahmen. Und selbst bestehende Schutzverpflichtungen werden nur unzureichend erfüllt. Negativ wirkt sich zudem aus, dass die Naturschutzbehörden der Länder durch drastische Mittel- und Personalkürzungen immer mehr ausgedünnt werden. Das Vollzugsdefizit der vorhandenen Gesetze wird immer größer. Wenn die Bundesregierung ihr selbst gesetztes Ziel erreichen will, bis 2010 den Artenverlust zu stoppen, muss sie außerdem den Natur- und Artenschutz im Umweltgesetzbuch bundeseinheitlich regeln und darf ihn nicht zusätzlich schwächen."

Ein Beispiel für eine in Deutschland besonders gefährdete Tierart sei die Europäische Wildkatze. Von ihr gebe es nur noch maximal 5000 Exemplare in den hiesigen Wäldern. Hauptursache ihrer Bedrohung ist die Isolation ihrer verschiedenen Vorkommen. Der BUND plant deshalb unter dem Motto "Ein Rettungsnetz für die Wildkatze“ die voneinander getrennten Populationen zu verbinden. Grüne Wanderkorridore aus neu gepflanzten Büschen und Bäumen mit einer Gesamtlänge von rund 20000 Kilometern sollen den Wildkatzen und anderen Waldtieren das Überleben sichern.

Hier erfahren Sie mehr über die Wildkatze.

druckfähiges Bild einer Wildkatze (bitte als Bildquelle angeben: Foto: Th. Stephan/BUND)

Pressekontakt: Friedrich Wulf, BUND-Naturschutzexperte, Tel. 0 30 / 2 75 86-451, Mobil 0173 / 9234747 bzw. Katrin Riegger, BUND-Pressestelle, Tel. 0 30 / 2 75 86-464, Mobil 0179 / 7 43 12 24, presse@bund.net

Quelle: BUND.net


Gericht verbietet Laufzeitverlängerung für Biblis A. Jetzt das AKW endgültig abschalten

Berlin: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die heutige Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs Kassel über die Unzulässigkeit des RWE-Antrages auf Übertragung von Strommengen auf das Atomkraftwerk Biblis A begrüßt.

„Diese Entscheidung beruht auf einer Selbstverständlichkeit: Auch RWE muss sich an die Gesetze halten“, sagte Renate Backhaus, Atomexpertin des BUND. „Das Atomgesetz schließt die von RWE gewünschte Übertragung von Strommengen von dem nie in Betrieb gegangenen AKW Mülheim-Kärlich auf Biblis A klar aus. Man könnte es fast als unsittlichen Antrag bezeichnen, dass RWE genau dies verlangt hat.“

Der BUND forderte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel auf, auch den zweiten Antrag, mit dem RWE die Übertragung von Strommengen vom AKW Emsland auf Biblis A fordert, abzulehnen. Es sei unverantwortlich, Biblis A länger als im Atomkonsens vereinbart am Netz zu lassen. Schließlich habe RWE dieser Vereinbarung zugestimmt.

Der Reaktor gehöre zu den ältesten und unsichersten Atomanlagen in Deutschland. Er habe nicht nur eine Serie von Störfällen vorzuweisen. Besonderes riskant sei das Fehlen einer unabhängigen Notstandswarte, die den Reaktor bei schweren äußeren Einwirkungen wie z.B. Terroranschlägen oder Flugzeugabstürzen herunterfahren könne. Biblis A sei außerdem unzureichend gegen Erdbeben gesichert. Die einzig verantwortliche Lösung sei deshalb die sofortige Stilllegung des Reaktors.

Backhaus: „Da sich die Bundesregierung einschließlich Umweltminister Gabriel weiterhin zur Umsetzung des Atomkonsenses bekennt, müssen die Atomkraftwerke auch innerhalb der im Konsens vereinbarten Fristen vom Netz. Ansonsten macht sich die Regierung unglaubwürdig. Gabriel hatte im Sommer Initiativen zur schnelleren Stilllegung der älteren Reaktoren angekündigt, diese muss er nun auch endlich umsetzen.“

Der Stillstand von Biblis A in den zurückliegenden Monaten sei für die Stromversorgung in Deutschland offensichtlich kein Problem gewesen. Die endgültige Stilllegung dieses Risikoreaktors müsse Priorität haben gegenüber dem Anliegen von RWE, mit Stromlieferungen aus Biblis A weiter Geld zu verdienen.

Pressekontakt: Thorben Becker, Atomexperte des BUND, Tel. 0 30 7 2 75 86-421 bzw. Rüdiger Rosenthal, BUND-Pressestelle, Tel. 0 30 7 2 75 86-425/-489, Fax: -440, presse@bund.net

Quelle: BUND.net


BUND fordert verbindliches Klimaschutzgesetz mit jährlicher Überprüfung. Europäisches Umwelt-Netzwerk Friends of the Earth startet Kampagne „The Big Ask“

Berlin/Brüssel: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat von Bundesregierung und Bundestag gefordert, ein Klimaschutzgesetz mit verbindlichen und jährlich fixierten nationalen Minderungszielen für Treibhausgase zu beschließen. Die bisherigen langfristigen Zielsetzungen müssten per Gesetz in konkrete überprüfbare Zwischenschritte gefasst werden. Kern eines Klimaschutzgesetzes für Deutschland müsse die jährliche Minderung des Ausstoßes klimaschädlicher Gase um drei Prozent sein. Damit werde sichergestellt, dass die in den verschiedenen Politikbereichen erforderlichen Maßnahmen zur Senkung der Emissionen schnell auf den Weg gebracht würden. Dies sei nötig, um das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 die Treibhausgase in Deutschland im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zu verringern, auch tatsächlich zu erreichen.

Hubert Weiger, BUND-Vorsitzender: „Die Klimaschutzmaßnahmen der Bundesregierung sind bisher nur Stückwerk. Viel wird versprochen und noch zuwenig eingelöst. Jede Verzögerungstaktik schadet dem Klima. Vor allem im Verkehrsbereich und zur Senkung des Stromverbrauchs fehlen verbindliche Klimaschutzvorgaben.“

Der BUND fordert, den für die Bereiche Stromerzeugung und -verbrauch, Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft zuständigen Bundesministern Michael Glos, Sigmar Gabriel, Wolfgang Tiefensee und Horst Seehofer exakte „Klimaschutzbudgets“ zu genehmigen. Beim Überschreiten der jeweiligen Budgets müsste die Bundesregierung Strafen an die EU zahlen. Mit den so erzielten Einnahmen sollten dann zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel in den Entwicklungsländern finanziert werden. Die britische Regierung habe bereits ein ähnliches Klimaschutzgesetz mit einem jährlichen „carbon budget“ beschlossen.

Das Netzwerk von Umweltverbänden „Friends of the Earth Europe“, zu dem der BUND gehört, startete heute in 17 EU-Staaten unter dem Titel „The Big Ask“ eine Kampagne, um in allen diesen Staaten ähnliche Klimaschutzgesetze durchzusetzen. EU-Umweltkommissar Stavros Dimas gab in Brüssel den Startschuss dafür. Ziel der Kampagne ist es, europaweit die Klimaziele zu verschärfen und ihre Einhaltung gesetzlich kontrollieren zu lassen.

Nach derzeitigem Stand würden Österreich, Spanien, Irland und weitere EU-Staaten ihre jeweiligen Verpflichtungen aus dem Kioto-Klimaschutzabkommen nicht erfüllen. Da die Europäische Union künftig noch weiter gehende Klimaziele anstrebe, werde dies nur glaubwürdig, wenn ein Verfehlen dieser Ziele mit Sanktionen verknüpft sei.

In ihrem Klimaschutzpaket für den Zeitraum bis 2020 plant die EU-Kommission die Senkung der Treibhausgase um 20 Prozent im Vergleich zu 1990. Mindestens 30 Prozent Minderung wären nach BUND-Auffassung jedoch erforderlich, damit sich auch die Weltgemeinschaft in einem Kioto-Anschlussabkommen auf ausreichende Klimaschutzziele verpflichtet. Deutschland müsse dabei ein Minderungsziel von Minus 40 Prozent verbindlich zusagen.

Pressekontakt: Matthias Seiche, Leiter Klimaschutz beim BUND, Tel. 0 30 / 2 75 86-433 bzw. Rüdiger Rosenthal, BUND-Pressestelle, Tel. 0 30 / 2 75 86-425/-489, Fax: -440, presse@bund.net

Mehr Informationen

Quelle: BUND.net


BUND und BBU fordern strengere Kontrolle der Nanotechnologie

Berlin: Anlässlich der heutigen Zwischenbilanz des so genannten „Nanodialogs“ - eines von der Bundesregierung eingesetzten Gremiums zur Bewertung von Chancen und Risiken der Nanotechnologie - haben der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) die Einführung gesetzlicher Regeln für den Umgang mit Nanomaterialien gefordert. „Der Austausch zwischen Verbänden, Politik und Wirtschaft beim Nanodialog ist ein wichtiger Schritt“, sagte Wilfried Kühling, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des BUND. „Die Dialogrunden dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es beim Umgang mit der Nanotechnologie dringenden Handlungsbedarf gibt. Es ist nicht in Ordnung, wenn trotz wissenschaftlicher Hinweise auf Gesundheitsgefahren unzureichend getestete Nanomaterialien in Kosmetika, Lebensmitteln oder Textilien verwendet werden.“

Als Nanopartikel werden in der Regel Teilchen definiert, die kleiner als 100 Nanometer sind. Durch ihre geringe Größe weisen sie spezielle Eigenschaften auf, die neue industrielle Nutzungsarten ermöglichen. Nanoteilchen bringen aber auch neue Umwelt- und Gesundheitsrisiken mit sich. Ihre Winzigkeit versetzt sie z.B. in die Lage, körperliche Schutzmechanismen wie die Blut-Hirn-Schranke oder die Plazentaschranke zu überwinden. Laut Angaben des US-amerikanischen Woodrow-Wilson-Centers sind bereits mehr als 500 Alltagsprodukte erhältlich, die Nanomaterialien enthalten. Das Marktvolumen für Produkte aus dieser Technologie wird für das Jahr 2010 auf bis zu einer Billiarde Euro geschätzt.

Freiwillige Verhaltensrichtlinien für die Industrie, die im Rahmen des Nanodialogs erarbeitet werden sollen, begrüßten der BUND und der BBU. „Es ist gut, dass viele Firmen freiwillig etwas tun wollen. Allerdings zeigen Erfahrungen der Vergangenheit, dass freiwillige Vereinbarungen allein nicht reichen, weil es immer wieder schwarze Schafe gibt, die sich nicht daran halten. Wir brauchen deshalb verpflichtende Sicherheitstests für Nanoprodukte“, sagte Oliver Kalusch vom BBU. Auch in diesem Bereich müsse das Vorsorgeprinzip gelten. Ohne vorherige Prüfung auf Risiken für Mensch und Natur dürften Nanoprodukte nicht vermarktet werden. Beim Nachweis ihrer Unbedenklichkeit müsse die gesamte Produktkette von der Herstellung über den Gebrauch bis zur Entsorgung einbezogen werden.

Der BUND und der BBU forderten außerdem mehr Transparenz über die Verwendung von Nanomaterialien in Alltagsprodukten. Die Verbraucher hätten ein Recht auf umfassende Aufklärung über mögliche Gefahren. Wo Nano drin sei, müsse auch Nano draufstehen.

Die Organisationen veröffentlichten heute unter dem Titel „Kriterien zur Kontrolle von Nanotechnologien und Nanomaterialien“ Grundsätze zum Umgang mit der neuen Technologie, die weltweit bereits von 70 Verbänden, Umweltorganisationen sowie Gewerkschaften unterzeichnet wurden.

Pressekontakt: Patricia Cameron, BUND-Expertin für Chemikalienpolitik und Nanotechnologie, Tel. 0 30 / 2 75 86-426 bzw. Rüdiger Rosenthal, BUND-Pressestelle, Tel. 0 30 / 2 75 86-425/-489, Fax: -440, presse@bund.net

Oliver Kalusch, Experte für Nanotechnologie im BBU, Tel. 02 28 / 21 40-32, Fax: -33,  BBU-Bonn@t-online.de, www.bbu-bonn.de/

Mehr Informationen

Quelle: BUND.net


Copyright © 2010 by: Crochunter´s Umweltnews • Design by: BlogPimp / Appelt Mediendesign • Foto: Pixelio • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.


Fatal error: Call to undefined function is_front_page() in /var/www/web640/html/news.crochunter.de/wp-content/plugins/delete-duplicate-posts/delete-duplicate-posts.php on line 96